Ocon schwebt auf einer Wolke

Ocon schwebt auf einer Wolke

Esteban Ocon

„Esty Besty’s ist auf dem Podium, Baby!“, rief Esteban Ocon überglücklich ins Mikrofon, nachdem er seinen Alpine auf dem Stellplatz mit der Nummer drei abgestellt hatte: „Ich bin sprachlos, ich schwebe gerade auf einer Wolke.“ Er hatte jene Chance genutzt, die sich ihm sonst in dieser Saison eher selten bieten dürfte und sich eine Trophäe abgeholt, die dritte seiner Formel-1-Karriere nach Sakhir 2020 und Ungarn 2021.

Dass dieses ein erfolgreiches Wochenende sein könnte, hatte sich bereits am Samstag angedeutet, völlig überraschend war Ocon derart schnell über die Strecke gedüst, dass er zwischenzeitlich sogar die Pole Position inne hatte. Letztlich wurde er Vierter, profitierte jedoch von der Strafversetzung Charles Leclercs und beendete das Rennen, wo er es begonnen hatte. Ocon hielt dem Druck stand und blieb auch im Regen ruhig. Die Balance des Alpine stimmte und Vertrauen in sein Auto zu haben, ist auf dem engen Kurs von Monaco besonders wichtig.

CEO Laurent Rossi hatte das Formel-1-Team neulich öffentlich stark für die bisherige Saisonleistung kritisiert. Da war der dritte Platz von Ocon und der siebte Platz von Pierre Gasly eine beruhigende Antwort. Alpine-Renault bleibt als Fünfter der Gesamtwertung im Mittelfeld, aber Ocon sagte: „Das muss als Motivation dienen, als Team weiter voranzukommen und das Auto während dieser Saison zu verbessern.“

Max Verstappen

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(Foto: Luca Bruno/dpa)

Sein Sieg am Pfingstsonntag war sein zweiter in Monte-Carlo, das brachte Prestige und Punkte im Titelkampf der Formel 1. Vor allem machte das den zweimaligen Weltmeister Max Verstappen mit 39 Grand-Prix-Erfolgen für Red Bull zum erfolgreichsten Formel-1-Fahrer des britisch-österreichischen Rennstalls. 39 Mal ist der 25 Jahre alte Niederländer ganz oben auf dem Podium gestanden mit zwei roten Bullen auf dem Rennoverall, damit hat er die 38 Erfolge von Sebastian Vettel überboten, viermaliger Formel-1-Champion. „Wenn du für eine Weile ein gutes Auto hast, weißt du, dass du diesen Rekord brechen kannst“, sagte Verstappen.

In der Qualifikation hatte er beim letzten Versuch die Pole Position mit einem Vorsprung von 84 Tausendstel Sekunden Vorsprung geholt und gezeigt, wie stark seine Nerven sind. Auf einer Strecke, die dem RB19 vermeintlich nicht liegt. Im Rennen dann bewies er sein fahrerisches Können auch bei schwierigen Regenbedingungen. Ein paar Mal touchierte er zwar die Wand, einmal wäre er auf dem rutschigen Asphalt beinahe in einer Leitplanke gelandet – aber er behielt die Kontrolle. Fast eine halbe Minute nach ihm kam erst der Zweitplatzierte Alonso ins Ziel. Das festigt den Eindruck, dass diese Kombination aus Mensch und Maschine nach den Titeln 2021 und 2022 auch diese WM gewinnen wird.

Fernando Alonso

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(Foto: Jeff Pachoud/AFP)

Fernando Alonso ist schon sehr lange im Geschäft, im aktuellen Fahrerfeld ist er der Pilot mit der größten Erfahrung. Da fällt der Zeitraum der Erinnerung etwas größer aus als bei den Konkurrenten, die teils noch gar nicht geboren waren, als Alonso seine ersten Runden in der Formel 1 drehte. Das hilft, Situationen einzuordnen. In allen Saisons in den 2000er und 2010er Jahren, an die er sich so zurückerinnere, hätte er die WM angeführt mit Leistungen wie in diesem Jahr, sagte der Spanier am Sonntag nach seinem zweiten Platz: „Aber jetzt gibt es Red Bull und Max, die jedes Rennen dominieren“, wechselte Alonso in die Gegenwart. „Selbst mit großartigen Ergebnissen musst du dich hinter ihnen anstellen.“

Der Regen hatte seine Chancen erhöht, in Monaco an Max Verstappen vorbeizukommen. Doch Aston Martin verschätzte sich mit der Wetterlage. Alonso wechselte in der 54. Runde von abgefahrenen harten auf frische Mediumreifen, weil nicht mit noch stärkerem Regen gerechnet wurde und der Fahrer die Strecke als weitgehend trocken wahrgenommen hatte. Doch es blieb nicht beim Schauer, Alonso musste wieder an die Box, um auf die profilierten Intermediates zu wechseln. Aber welche Strategie auch immer sie gewählt hätten: „Max war einfach schneller als wir.“ Alonso hofft auf Wochenenden an denen Red Bull doch mal Probleme hat und machte eine Kampfansage: „Wir werden sicher nicht aufgeben!“ Am Sonntag steht sein Heimrennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya an. Hier holte er im Mai 2013 seinen bislang letzten Formel-1-Sieg.

Monaco

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(Foto: Ryan Pierse/Getty Images)

Die Yachtdichte im Hafen war noch höher als sonst, durch die engen Straßen von Monte-Carlo drängten sich mehr Menschen, unter den prominenten Gästen waren unter anderem Fußballer Neymar, Fifa-Präsident Gianni Infantino, Pop-Sängerin Kylie Minogue – traditionell also viel Glanz und Gloria beim Grand Prix an der Côte d’Azur. Aber ist das Rennen noch zeitgemäß? Der Vertrag mit dem Kurs wurde 2022 bis 2025 verlängert, damals hatte es Diskussionen um Traditionsstandorte gegeben. Als das Thema nun wieder aufkam, fanden sich jedoch erneut Fürsprecher.

Monaco gehöre immer in den Rennkalender, plädierte Fernando Alonso. Der Monegasse Charles Leclerc erklärte, Schritt für Schritt nähere man sich hier dem Limit an, bis man im Qualifying alles gebe „und das ist so ein unglaubliches Gefühl. Allein die Aufregung und das Adrenalin, das man auf dieser Strecke spürt, ist großartig.“ Nirgends sonst gebe es das. Aber er musste auch anerkennen: „Es sind nicht die aufregendsten Renntage in Sachen Überholen.“ Ohne Überholmanöver fehlt es oft an Spannung, auch darum geht es bei der Diskussion. Nach einem turbulenten Samstag bewahrte Monte-Carlo dann aber der Regen am Sonntag vor Langweile. Dunkle Wolken brachten Sonnenschein: Wie die Fahrer versuchten, auf dem glitschigen Boden die Kontrolle zu bewahren, war doch unterhaltsam.

Charles Leclerc

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(Foto: Andrej Isakovic/AFP)

Ferrari hatte darauf gehofft, in Monaco Ergebnisse zu erzielen, die den Spirit im Team wieder etwas beleben können. Der stolze Rennstall liegt hinter Red Bull, Aston Martin und Mercedes abgeschlagen auf Rang vier der Konstrukteurswertung und erlebt eine Saison zum Vergessen. Auch im sechsten Rennen war Ernüchterung angesagt, Charles Leclerc wurde Sechster, Carlos Sainz Achter. Dabei sah es erst gut aus: Leclerc hatte die Qualifikation – knapp geschlagen von Fernando Alonso und Max Verstappen – als Drittschnellster beendet. Doch er wurde um drei Positionen strafversetzt und kam dann nicht voran. Da half auch der Regen nicht.

Die kuriose Pechsträhne bei seinem Heimspiel hat sich also vorerst fortgesetzt. Weder in der Formel 2 noch in der Formel 1 konnte er hier reüssieren, oft schied Leclerc gar aus. Und mit dem so ersehnten Weltmeistertitel wird es dieses Jahr auch nichts werden. Der 25-Jährige tröstete sich mit dem Blick nach vorne: „Es bleiben noch viele Rennen in dieser Saison übrig und bei uns kommen mehrere Updates, die uns hoffentlich näher an die Red Bulls bringen.“

Sergio Perez

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(Foto: Mark Sutton/Motorsport Images/Imago)

Für Sergio Pérez war dieses Wochenende im Fürstentum eines zum Vergessen. In der Qualifikation knallte der Mexikaner in der Kurve mit dem klangvollen Namen Sainte-Dévote in die Bande. Da war klar, dass es nichts mit seinem dritten Saisonsieg im sechsten Rennen werden würde: Der Vorjahressieger startete als Letzter. Wer in Monte-Carlo hinten beginnt, schafft es auf diesem engen, überholunfreundlichen Stadtkurs in der Regel nicht wirklich nach vorne. Am Ende wurde der 33-Jährige nur 16., überrundet von seinem Teamkollegen, der ihn schon beim vergangenen Grand Prix in Miami düpierte. Statt seine Position als ernsthafter Titelkonkurrent zu festigen, beträgt der Rückstand von Pérez auf den WM-Führenden Max Verstappen nun 39 Punkte. „Ich hoffe, dass es mit den Fehlern für den Rest der Saison genug ist“, sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei Sky.

Für das Team war eine andere Sache aber wohl noch viel ärgerlicher: Beim Abtransport des gecrashten RB19 hob ein Kran den Wagen empor – was den sonst verborgenen Unterboden für neugierige Blicke frei gab. Und davon gibt es jede Menge. „Wir mussten gar nicht genau hinschauen, es gibt ja genügend Fotos“, sagte Ferrari-Teamchef Fred Vasseur dazu. Die Konkurrenz wüsste schließlich nur zu gerne, wie die Red-Bull-Ingenieure wieder einen Wagen entwickeln konnten, der derart stark ist, dass sich die Fahrer eigentlich nur selbst schlagen können. Wie Pérez in Monaco.

Mercedes

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(Foto: Christian Bruna/dpa)

Mercedes war mit einem runderneuerten Silberpfeil angereist. Das Team hatte sein herausstechendes Konzept mit den äußerst schmalen Seitenkästen überarbeitet, auch eine neue Vorderradaufhängung sowie einen überholten Unterboden gab es für den W14. Wie der gestaltet ist, konnte sich die Öffentlichkeit am Samstag anschauen. Lewis Hamilton unterlief im dritten Trainingsdurchgang ein Missgeschick, sein Wagen flog am Kran aufgehängt noch vor dem von Sergio Pérez hoch durch die Luft. Schon hier waren die Fotografen schnell zur Stelle, auch wenn die Neugier später beim Modell von Red Bull noch größer gewesen sein dürfte. Der Mercedes wackelte beim Abtransport derart bedenklich hin und her, dass Motorsportchef Toto Wolff später sagte: „Wer immer den Kran gesteuert hat, hat vermutlich früher beim Cirque du Soleil gearbeitet.“

Wie artistisch und erfolgreich seine Fahrer Hamilton und George Russell mit dem upgegradeten Auto noch fahren werden, bleibt abzuwarten. Der enge Kurs von Monaco lässt kaum Schlüsse auf andere Strecken zu. Gut lief das Wochenende dennoch: Hamilton wurde Vierter, Russell Fünfter – Russell konnte zwischendurch sogar darauf hoffen, Dritter zu werden, doch ein Fehler nach einem Boxenstopp kostete ihn das Podium und er rutschte hinter Ocon und Hamilton. Der siebenmalige Weltmeister bilanzierte: „Ich bin ziemlich zufrieden, wir sind vorangekommen.“

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