„Ich fühle mich immer unschlagbar“

„Ich fühle mich immer unschlagbar“

Max Verstappen

Frage der britischen Reporterin an den Mann, der von Startplatz neun auf Rang eins gerast war, und dabei ungefähr so viel Mühe gehabt haben dürfte, wie der durchschnittliche Fernsehfan beim Gang zum Kühlschrank: „Waren Sie heute unschlagbar?“ Überzeugende Antwort, da ohne jegliche Bedenkzeit: „Ich fühle mich immer unschlagbar.“ Aha. Ganz ohne Überheblichkeit lieferte er beim fünften WM-Lauf zumindest Hinweise auf diese steile These. Nur 20 Runden dauerte es, um wieder ganz vorn anzukommen, von da an fuhr der Niederländer mit den schlechteren Reifen immer besser. Sieg Nummer 38, und damit so viele wie Sebastian Vettel für Red Bull eingefahren hatte, war der verdiente Lohn. Die WM-Führung war gesichert, und überhaupt gab es im Hause Verstappen Grund genug zum Jubeln: Papa Jos hatte mit 51 seinen ersten Sieg in einem Rallye-Auto eingefahren. Offenbar eine Sache der DNA, wie der Sohn glaubt: „Ein echter Rennfahrer verliert nie seinen Wettbewerbsgeist.“

Sergio Perez

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(Foto: Rudy Carezzevoli/Getty Images via AFP)

Der Straßenkönig von Baku aus der Pole-Position in Miami startend, das hätte wirklich zu einem Wechsel an der Spitze der Fahrerweltmeisterschaft getaugt. Der Teamkollege nur auf Startplatz neun, ein Rennen wie gemacht für die eigene Fähigkeit als Reifenflüsterer, Sergio Perez stand kurz davor, zum ersten Mal die Gesamtwertung anzuführen. Doch dann brauchte Verstappen nur 20 Runden, um die Führung zu übernehmen.

Der so deutlich Geschlagene konnte nur staunen: „Ich habe es probiert, alles gegeben. Doch was Max gezeigt hat, war einfach unerreichbar für mich. Ich muss herausfinden, warum.“ Verstappen hat auf Risiko gespielt und auf die bessere Taktik gesetzt, und ganz nebenbei die Machtverhältnisse bei Red Bull Racing wieder geradegerückt. „Checo“ Perez hat zwar nur einen Sieg weniger, aber jetzt muss er erst recht beweisen, dass er konstant genug ist, um auf Dauer als Titelherausforderer ernst genommen zu werden.

Fernando Alonso

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(Foto: Chris Graythen/Getty Images via AFP)

Zum vierten Mal im fünften WM-Lauf Dritter, für Fernando Alonso scheinen die neue F1-Saison und insbesondere das Aston-Martin-Team Jungbrunnen zu sein. „Ich habe immer hart gearbeitet, aber ich hatte wahrscheinlich kein Team, das an meine Leistung und an meine Fähigkeit geglaubt hat, ein Auto voran zu bringen. Und ich hatte auch nie ein so schnelles Auto wie jetzt.“ Der 41-Jährige verändert deshalb langsam seine Perspektive: „Zu Beginn des Jahres war es überraschend, überhaupt auf dem Podium zu stehen. Aber jetzt wollen wir natürlich mehr, zumindest einen zweiten Platz.“ Wer dem Spanier dabei in die Augen blickte, der erkannte leuchtend das wahre Ziel: Erster werden, zum dann 33. Mal in seiner Karriere. Er fühlte sich derart wohl und entspannt in seinem grünen Rennwagen, dass er während des Rennens in Miami seinem Teamkollegen Lance Stroll ein Kompliment für ein Überholmanöver machte, das er im Vorbeifahren auf einer Videowand beobachtet hatte.

Charles Leclerc

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(Foto: Angela Weiss/AFP)

Und ewig grüßt das Murmeltier. Sprint-Qualifikation in Baku: Rumms, Charles Leclerc landet in den Barrieren. Training in Miami: Rumms, erneut versenkt er den Ferrari in der Begrenzung. Letzte Qualifying-Runde in Miami: Rumms, wieder Kurve sieben, wieder ein havariertes rotes Auto. Am Ende verließ der Monegasse Florida mit einem siebten Platz. Und einem neuen Angstgefühl: Dass es wieder nicht reichen könnte, um seinen Jugend-Rivalen Verstappen dauerhaft herauszufordern. „Inakzeptabel“ sagt der 25-Jährige über seine Fehler, „instabil“ über seinen Dienstwagen. Als nächstes steht das Heimrennen in Imola auf dem Programm. Dort hatte Leclerc vor ziemlich genau einem Jahr unfreiwillig die Wende im Titelrennen eingeleitet. Man ahnt: es hatte Rumms gemacht.

Miami

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(Foto: Matias J.Ocner/AP)

Wenig Grip, hohe Luftfeuchtigkeit, der späte Rennbeginn: es gäbe eine Menge Gründe, die gegen ein Rennen im Miami International Autodrome sprechen. Aber es gibt vor allem auch einen dafür: die Miami Vibes. Selbst 20 Kilometer vom Beach entfernt sind die Partys echter und besser als in Monte Carlo, das Publikum enthusiastischer als sonstwo. Und die Klientel wohl auch reicher: Mit Jeff Bezos, Elon Musk und Larry Ellison traf sich ein Klub von Mega-Milliardären im riesigen Prominenten- und Fahrlager namens Hard Rock Stadion. Dagegen verblassten selbst US-Sportgrößen wie Lindsey Vonn, Patrick Mahomes oder Mike Tyson. Von Tom Cruise über Shakira (im Bild) bis LL Cool J waren reichlich Top-Partygänger in den Logen und der Startaufstellung zu finden. Vin Diesel und Michelle Rodriguez, die Hauptdarsteller des Filmhits „Fast and Furious“ fühlten sich auf diesem Terrain natürlich sofort heimisch. Die einzigen, die etwas maulten, waren die Rennfahrer. Eine halbe Stunde lang mussten sie während einer Pre-Race-Show in voller Montur schwitzen. Miami heiß.

Toto Wolff

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(Foto: Mike Segar/Reuters)

Wenn alles nach Plan läuft, dann war der Große Preis von Miami das letzte Rennen mit dem Auslaufmodell W14, in zwei Wochen soll ein neuer Silberpfeil debütieren, vermutlich mit einem komplett neuen Aussehen. Zumindest war es ein einigermaßen würdevoller Abschied, George Russell wurde Vierter, der vom indiskutablen 13. Rang gestartete Lewis Hamilton noch Sechster. Das spricht für die Zähigkeit, mit der die Menschen der zickenden Technik trotzen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnt vor überzogenen Erwartungen an die Neuauflage („Ruhe bewahren!), aber natürlich treibt auch ihn die Hoffnung: „Irgendwann müssen wir es ja mal so hinkriegen, dass wir wieder vorne mitspielen.“ Für den Österreicher selbst gilt das schon, wenn auch auf ganz anderem Terrain: Der 51-Jährige wird Gastprofessor an der Harvard Business School – er soll zu den Themen „leistungsstarke Führung, Organisationskultur und persönliche Effektivität“ lehren. Die Situation seines Rennstalls in der Formel 1 ist dafür ein ziemlich gutes Lernbeispiel.

Felipe Massa

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(Foto: Ricardo Arduengo/Reuters)

Mit einem goldenen Umschlag wird Felipe Massa immer dann begrüßt, wenn er in seiner Rolle als F1-Botschafter die wichtigsten Gäste der Königsklasse in der Party-Garage bespaßen darf. Der vielleicht unglücklichste Fahrer der jüngeren Geschichte, der 2008 in der letzten Kurve der Saison den ersehnten Titel an Hamilton verlor, ist ein netter Kerl, gern gesehen im Fahrerlager. Aber richtig sauer war er neulich, als Bernie Ecclestone behauptete, schon früh gewusst zu haben, dass der Große Preis von Singapur vom Renault-Teamchef Flavio Briatore verschoben worden war.

Doch der Zampano hatte geschwiegen, bis das Jahresendergebnis abgesegnet war. Wäre der Grand Prix, bei dem Nelson Piquet junior absichtlich in die Mauer fuhr, annulliert worden, hätte Massa nachträglich die Nase in der WM-Wertung vorne gehabt. Damals rieten die Ferrari-Anwälte von einem Prozess ab, nach Ecclestones Geständnis will der mittlerweile 41 Jahre alte Brasilianer jetzt doch juristische Schritte überlegen, ihm gehe es um die Gerechtigkeit. In der F1-Gesetzbarkeit können Rennen allerdings nach 14 Tagen nicht mehr angefochten und neu geprüft werden. Geschweige denn 15 Jahre später.

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