Ins Halbfinale geschwitzt

Ins Halbfinale geschwitzt

Was Andrea Trinchieri – sichtlich derangiert – nach dem dritten Playoff-Spiel ins Mikrofon von Magentasport sprach, klang recht einfach: „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Defensive angepasst und weniger unerzwungene Fehler gemacht.“ Der Trainer war nicht der einzige bei den Bayern-Basketballern, der während des Spiels ins Schwitzen gekommen war. Sein Guard Niels Giffey sprach hernach von „harter Arbeit“ – mit einem erfolgreichen Ausgang: Der FCB gewann auch die dritte Partie gegen die BG Göttingen in der Best-of-five-Serie und steht nach dem 65:54-Erfolg im Halbfinale. Wer dort der Gegner sein wird, ist noch offen. Am Mittwoch geht Alba Berlin in das vierte Spiel in Ulm; die Baden-Württemberger führen 2:1 und haben die große Chance, in eigener Halle den Bayern zu folgen.

In Göttingen hatte Trinchieri einen aggressiven Gegner erwartet. Er wurde nicht enttäuscht. Die Niedersachsen sahen sich ja nach der zweiten Partie stark benachteiligt, die letzte und spielentscheidende Aktion zum 87:85 drei Sekunden vor dem Ende entsprang einem Foul, das ihrer Meinung nach keines war. „Winston ist ausgerutscht, das war nichts“, befand Geschäftsführer Frank Meinertshagen und versprach verärgert, diese Ungerechtigkeit in der mit 3447 Zuschauern ausverkauften Sparkassen Arena in „pure Energie“ umzuwandeln. Das setzte sein Team um, Göttingen kämpfte mit hoher Intensität um die Chance, die Serie noch ein bisschen zu verlängern. Waren es in den ersten beiden Partien Mark Smith und Geno Crandall, die den Bayern als Göttinger Topscorer große Probleme bereiteten, so lief am Sonntagabend Flügelspieler Till Pape heiß, erzielte schon in der ersten Halbzeit 17 Punkte und blieb Göttingens bester Werfer.

Göttingens Bester Till Pape muss mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus

Allerdings haben auch die Bayern eine ganze Reihe von Akteuren, die ein Spiel bestimmen können. Waren es in den ersten beiden Vergleichen Nick Weiler-Babb und Cassius Winston, so übernahm in Göttingen Isaac Bonga das Kommando – und das Punkten. Der Nationalspieler führte sein Team zu einer 17:14-Führung nach dem ersten Viertel, den die BG dank ihrem großen Kampfgeist und Pape in eine 37:36-Führung drehten.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es einen Schreckmoment für die Göttinger, die an die Verletzung von Andreas Obst in Spiel zwei erinnerte. Der FCB-Nationalspieler hatte sich das Knie überdehnt und musste verletzt passen, danach verloren die Kollegen völlig den Faden. Zwar war Obst diesmal wieder mit von der Partie, wirkte aber gehemmt. Nun war es Göttingens Till Pape, der den Ellbogen von Bonga unglücklich ins Gesicht bekam und mit stark blutender Nase in der Kabine verschwand. Auch die Göttinger lähmte der Ausfall ihres bis dahin stärksten Akteurs, die Bayern wussten das zu nutzen und setzte sich mit einen 10:0-Lauf erstmals deutlicher ab (46:37).

Dieser „Sweep“ könnte den Münchnern noch ein wertvoller Vorteil werden

Während Pape mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste, schraubte der Pokalsieger den Vorsprung kurz nach Beginn des letzten Viertels erstmals in den zweistelligen Bereich (55:44) – und kontrollierte fortan das Geschehen. Mit jedem Korb des Gegners wurde es ruhiger in der Göttinger Arena, auch BG-Trainer Roel Moors wirkte zusehends ratlos. Hatte er seine Spieler während der ersten Halbzeit noch lautstark instruiert, bekamen seine Anweisungen nun appellierenden Charakter. Die Göttinger suchten schnell den Abschluss, die Münchner konterten. Beste Werfer waren Winston (16 Punkte) und Bonga (15).

Der FC Bayern steuerte ungefährdet dem dritten Sieg und damit dem Halbfinale entgegen. Dieser „Sweep“, wie man es im Basketball nennt, wenn ein Playoff-Gegner mit 3:0 vom Parkett gefegt wird, könnte den Münchnern noch ein wertvoller Vorteil werden. Denn während sich die potentiellen Halbfinalgegner Berlin und Ulm am Mittwoch das vierte Mal messen, kann der FCB die Zeit für Regeneration und Training nutzen. Wer der Wunschgegner sei, wollten weder Trinchieri noch Giffey sagen. Außenseiter Ulm führt nach zwei Auswärtssiegen und einer Heimniederlage 2:1 und könnte mit einem Sieg den Titelverteidiger ausschalten. Und die Fahrt nach Ulm, so viel verriet Giffey dann doch, sei „kürzer als nach Berlin“.

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