Bibbern bis zum letzten Spiel

Bibbern bis zum letzten Spiel

Möglicherweise hat es diese Meldung noch nicht bis in die Schlagzeilen der Hauptnachrichten geschafft, aber sie stimmt tatsächlich: Bastian Wernthaler schläft jetzt wieder besser! Der 46-Jährige hat jene Mission beendet, von der er oft betont hat, dass er sie niemals antreten wollte, und damit hat er eine andere, viel größere Schlagzeile gerade noch verhindert. Eine nämlich, die dann besagt hätte, dass die Wasserburger Basketballerinnen innerhalb eines Jahres von der ersten in die zweite und gleich weiter in die dritte Liga abgestiegen wären – ein ehemaliger Seriensieger und elfmaliger deutscher Meister also im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit.

Seit gut einer Woche ist klar, dass der TSV Wasserburg zumindest seine Zweitklassigkeit gerettet hat. Wernthaler hat seinen Job als Interimstrainer erledigt und kann sich wieder auf sein Amt als Vorsitzender des Gesamtvereins konzentrieren. Ganz nebenbei hat er damit verhindert, dass ausgerechnet er, der ehemalige Nationaltrainer, der den TSV in einer dreijährigen Amtszeit einst zu drei deutschen Meistertiteln führte, nun derjenige geworden wäre, der das einst so ruhmreiche Frauenteam in die Regionalliga führt. Die Sorge um seinen Nimbus, betont er, sei zwar das Allerletzte gewesen, das ihn beschäftigt habe, aber „sehr sehr intensive Monate“ lägen natürlich trotzdem hinter allen. „Ich hätte es mir weniger aufregend vorgestellt“, räumt er ein, oder anders: Er habe erwartet, „dass wir es lockerer schaffen“.

Von Lockerheit war die Lage weit entfernt. Es dauerte bis zum allerletzten Playdown-Spiel – und das auch noch auswärts in Ludwigsburg -, bis der Ligaverbleib mit einem Sieg gesichert war. Im Abstiegsfalle, hatte die Abteilungsleiterin Johanna Retzlaff im Januar in drastischen Worten gewarnt, wäre Basketball in Wasserburg „gestorben“. Das hatte sie auch dazu bewogen, sich vor Weihnachten von der bei Fans und Spielerinnen beliebten Trainerin Rebecca Thoresen zu trennen.

Basketball: Eine Mission, die er eigentlich nie haben wollte: Bastian Wernthaler bei seiner Interimstätigkeit als Wasserburger Chefcoach.

Eine Mission, die er eigentlich nie haben wollte: Bastian Wernthaler bei seiner Interimstätigkeit als Wasserburger Chefcoach.

(Foto: Sven Beyrich/Sports Press Photo/Imago)

Wernthaler allerdings sah sich mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert wie seine Vorgängerin. Fast alle Spiele, in denen die Stützen des Kaders vollzählig waren (wie schlussendlich auch in Ludwigsburg), habe man zwar gewonnen, doch genau das sei viel zu selten der Fall gewesen. Gerade die nicht immer verfügbare Christina Schnorr machte mit ihrer Erfahrung unter den Körben einen wichtigen Unterschied. Und weil der Kader ohnehin so klein war, setzte der TSV in der Rückrunde auch ein paar Über-40-Jährige ein. „Ob das für die Qualität der Liga spricht, sei dahingestellt“, kommentiert Wernthaler die Tatsache, dass die Reaktivierten durchaus wichtige Rollen einnahmen, „das zeigt schon auch die Probleme des deutschen Frauenbasketballs.“ Andererseits, fügt er hinzu, sei Wasserburgs Ü35 deutscher Meister, und bei Anja Sattler, 47, und Verena Wernthaler, 42, handle es sich natürlich um ehemals gestandene Nationalspielerinnen (und bei Letzterer um seine Ehefrau).

Künftig wollen sie nicht mehr „ständig zu sechst oder siebt“ bei den Spielen aufkreuzen

Zukunftslösungen sind sie ebenso wenig wie Wernthalers vorübergehende Rückkehr ins Trainergeschäft. Letztlich war die gesamte Saison eine einzige Rettungstat, immerhin „finanziell hochsolide“, wie Wernthaler betont, „so muss es weitergehen“. Schließlich waren es in erster Linie finanzielle Probleme, die den Verein in seine missliche Lage gebracht hatten. Aus den Planungen für die neue Saison halte er sich bewusst heraus, betont er, aber das Ziel müsse es sein, wieder 13, 14 Spielerinnen im Kader zu versammeln, um nicht ein weiteres Jahr „ständig zu sechst oder siebt“ aufzukreuzen, was „ja auch für das Ansehen des Vereins schlecht“ sei – und vielleicht am Ende ein weiteres Mal in finsterste Tabellenregionen führen könnte.

Diesmal blieb es „ein totales Bibbern bei jedem Spiel“, sagt Johanna Retzlaff. Der Trumpf des Vereins, das treue Publikum, hat diese Phase erstaunlich tapfer mitgemacht, weshalb das Team in der Rückrunde kein Heimspiel verlor. „Diese Kulisse war bewegend, am Ende ist es ein ziemlicher Rausch geworden“, sagt die Abteilungsleiterin. Auch sie schläft nun wieder besser, sagt sie, andererseits befinde sie sich nun mitten in der Planung für die kommende Zweitliga-Spielzeit – die keine weitere Bibbersaison werden soll.

Retzlaff ist stolz darauf, dass die Abteilung trotz großer Altlasten aus der Abstiegssaison keine roten Zahlen geschrieben hat. Das künftige Budget sollte es ermöglichen, eine zweite Legionärin zu verpflichten, sagt sie. In der zurückliegenden Spielzeit war es nur eine, Brittany Autry, die nun mit dem Angebot einer Vertragsverlängerung heimflog. Immer vorausgesetzt, sagt Retzlaff, dass nicht zu viel Geld für einen neuen Trainer draufgehe, von dem sie sich erhoffe, dass er die erste Mannschaft und ein mögliches WNBL-Nachwuchsteam gemeinsam formen wird. Auch hier laufen Gespräche. Aus der Jugend werde ein ganzer Schwung Spielerinnen nachkommen, Schnorr dagegen verlässt das Team, und bei Spielmacherin Levke Brodersen sei noch unklar, inwieweit sie verfügbar sein wird. Einige der Ü-35-Spielerinnen sollen wohl im Paket Co-Trainerinnen werden, verrät Retzlaff noch. So gesehen wären sie doch Zukunftslösungen.

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